Bildung - Zukunft - Südtirol

„Bildung hat Vorrang“

Landesrat Otto Saurer hat das neue Bildungsleitbild für Südtirol vorgestellt. Neu daran ist neben dem Inhalt vor allem die Art, wie diese Weichenstellung für Südtirols Bildungspolitik zustande gekommen ist. Über 600 Personen  waren in unterschiedlicher Form in den Prozess einbezogen. Denn für den Landesrat  braucht Bildungspolitik den breiten Konsens der Bevölkerung, sonst ist sie zum Scheitern verurteilt.

Herr Landesrat, Sie wollten die breitest mögliche Beteiligung der Bevölkerung an diesem Leitbildprozess. Warum?
Die Bildungspolitik braucht breiten Konsens, ohne diesen ist sie zum Scheitern verurteilt. Die Kreativität und die Gestaltungsfreude aller Beteiligten haben gezeigt, wie sehr es sich lohnt,  den demokratischen Gedanken ernst zu nehmen und Mitsprache zuzulassen.

Sie haben den Leitbildprozess mit großem Interesse mitgestaltet und miterlebt. Wie sehen Sie rückblickend die Erfahrung mit dieser Art des „offenen“ Arbeitens?
Ausnahmslos positiv. Die Diskussionsrunden waren jedes Mal ein Erlebnis. Die Leute haben sich mit großer Ernsthaftigkeit eingebracht und kreativ mitgestaltet. Ich weiß jetzt, dass Bildung in Südtirol Thema ist.

Kommen wir zum handfesten Ergebnis dieser monatelangen Arbeiten: Welches sind für Sie die Kernaussagen des Bildungsleitbildes?
Bildung muss in der zukünftigen Entwicklung unseres Landes Vorrang haben, hinter dieser Forderung steht auch die Bevölkerung. Daraus abgeleitet ist eine weitere Vorgabe: jeder Mensch hat das Recht, sich zu bilden und zwar in allen Lebensphasen und in größtmöglicher Eigenverantwortung. Deshalb muss Bildung auf den einzelnen Menschen ausgerichtet sein, in ihren Angeboten, Methoden, Strukturen. Dazu bedarf es einer Vernetzung der Bildungsträger und einer garantierten Durchlässigkeit der einzelnen Angebote. Das bedeutet auch eine Gleichwertigkeit von berufsbildenden und allgemein bildenden Bildungswegen. Ein weiteres Anliegen des Leitbildes ist die Vernetzung von Bildung und Arbeitswelt. Und schließlich braucht Bildung Rahmenbedingungen. Diese sind von der öffentlichen Hand zu schaffen, zu finanzieren und zu garantieren, so steht es im Leitbild.

Wie sieht es mit der Umsetzung aus? Welche Perspektiven und Chancen geben sie diesem Leitbild?
Der Leitbildprozess ist nicht abgeschlossen. Viele im Leitbild angesprochene Themen bedürfen einer Vertiefung und sind im Detail und in der Umsetzung noch auszudiskutieren. Drei Schritte sind aber kurzfristig zu setzen. Bereits in den nächsten Wochen sollen die Inhalte des Leitbildes an der Uni Bozen mit der italienischen Bildungswelt diskutiert werden. Der zweite Fokus gilt dem Verhältnis zur Lehrerschaft, mit  der ich ins Gespräch kommen will. Das dritte Vorhaben betrifft die Umsetzung der Forderung nach Mehrsprachigkeit, die von der Bevölkerung sehr stark artikuliert wurde.

Interview: Evi Keifl

In die Zukunft schauen